Georgina und Monet
Georgina Casparis arbeitet in der internationalen Kunstbranche. Nach mehrjährigen Zwischenstopps im Ausland ist sie 2010 wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.
Wir haben Georgina, ein enSoie-lover seit Jahren, zusammen mit Tochter Monet in ihrer Wohnung in Zürich besucht und uns unterhalten (siehe unten).
Wo fühlen Sie sich zuhause?
Für mich ist die Bedeutung von «Home» viel mehr ein Gefühl als ein Ort. Ich habe schon viele Orte/Häuser «zuhause» genannt, ob in Zürich, London oder New York. Aber auch in meinem Lieblingscafé oder einem bestimmten Hotel in den Bergen fühle ich mich zuhause. Der Grund dafür sind immer die damit verbundenen Menschen und Erinnerungen. Daher würde ich sagen: Ich fühle mich zuhause wo meine Familie ist und meine engsten Freunde. Und mein Herz ist im Engadin, obwohl ich nie da gelebt habe.
Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Orangenblüten und Brombeeren... als ich klein war benutzte meine Mutter eine Nachtcreme mit Orangenblüten, bei diesem Geruch stehe ich wieder bei meinen Eltern im Badezimmer und warte auf einen Gutenachtkuss meiner Mama. Und Brombeeren erinnern mich jedes Mal an meine Grosseltern, sie waren ein wichtiger Teil meiner Kindheit und Jugend. Sie hatten grosse Brombeersträucher im Garten, die sonnengetränkt immer nach Sommer schmeckten. Meine Grossmutter machte daraus die besten Desserts und vor allem Konfitüre. Jedes Mal, wenn ich die Beeren esse sind die beiden wieder da.
Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Ehrlich gesagt gibts einige, sie sind wie wertvolle Erinnerungsstücke. Ich habe einige alte Sachen meiner Mutter und fing auch schon früh an meine schönen Sachen aufzubewahren für den Fall, dass ich mal eine Tochter haben sollte... Wenn ich aber ein Kleid wählen müsste wäre es ein weisses aus den 1920er-Jahren: Es war ein Geschenk meines Vaters aus einem meiner Lieblings-Secondhandstores in New York. Ich trage es sehr selten, da es heutzutage leider nur wenige Anlässe dazu gibt. Aber das Stück verkörpert vieles, was mir wichtig ist: der Bezug zu meinen Eltern, die Erinnerung an New York, etwas das mit Sorgfalt erhalten und über die Jahre weitergegeben wurde, und es stammt aus einer Zeit, die ich gerne erlebt hätte.
In welcher anderen Stadt würden Sie gerne leben?
Meine Jahre in New York waren für mich zu kurz, ich würde also sofort wieder zurück. Mein Traum wäre es auch, einmal ein paar Jahre ganz woanders zu leben, bevor die Kleine in den Kindergarten kommt. Wie Tansania, wo Freunde meines Verlobten eine Kaffeeplantage betreiben, oder Lateinamerika, für eine Non-Profit-Organisation zu arbeiten oder helfen eine Foundation oder Schule aufzubauen.
Haben Sie Spielsachen aus ihrer Kindheit aufbewahrt und wenn – welche?
Ja, meinen Stofftierelefant, den ich mit dreieinhalb Jahren vom Samichlaus bekommen hatte; «it was love at first sight»... Er zog mit mir in jede neue Wohnung und jedes neue Land mit. Nun hat ihn meine Tochter.
Gehen Sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
Kommt darauf an: Ich liebe schöne Hotels; so bin ich aufgewachsen. Doch mit vielen Freunden ist mieten super, auch mit der Kleinen.
Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Schwere Frage, da hätte ich eine sehr lange Liste! Mein Herz schlägt insbesondere für multidisziplinäre Arbeiten, Skulptur, Konzept- und Installationskunst. Doch mit einem Kunstwerk leben ist nochmals etwas anderes – und den Platz hätten wir für solche Arbeiten nicht. Spontan würde ich sagen – wenn Preise keine Rolle spielen – ein Gemälde von Agnes Martin oder eine Skulptur von Brancusi, ein gewobenes «Gemälde» von Soojin Kang oder etwas von Shirana Shahbazi.
Haben Sie zuhause Pflanzen?
Immer viele Sträusse – ich liebe Blumen – und eine Pflanze, ein «Baby» einer grossen Monstera von lieben Freunden.
Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Apfelsaft und Champagner.
Haben Sie einen Lieblingsschmuck?
Mein Verlobungsring: Vintage Cartier aus den 1970er-Jahren den er mithilfe einer engen Freundin gefunden hatte.
Welches ist ihr Lieblingsmöbel?
Unser «Macaron» Hocker von Cristian Andersen, aus freundschaftlichen Gründen und weil er einfach Freude macht!
Was nehmen Sie aus den Ferien als Erinnerung nach Hause mit?
Immer etwas, das mit Kochen zu tun hat; Öle, Gewürze, usw. so kommt der Geschmack der Ferien nachhause. Oder aus Keramik; Schälchen, kleine Objekte, Väschen.
Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Haare und Make-up: Rachel Bredy
Fragebogen: Stefan Zweifel
Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.













